Vom Gründungsjahr 1873 bis 1914

Nach der Gründung Freiwilliger Feuerwehren in den Städten und Märkten im Bezirksamt Burglengenfeld wurden auch die Landgemeinden mit modernen Feuerwehrgeräten ausgestattet. Die Zuteilungsreihenfolge wurde durch das Los bestimmt und im Bezirksamtsblatt vom 4. Januar 1871 bekannt gegeben. Von den 53 Gemeinden zog Breitenbrunn die Nummer 21 und Haselbach die Nummer 30.

Die Spritzeneinrichtung sah ein doppelt dreizölliges Pumpwerk vor, das in der Minute zwei Eimer (= 120 Liter) Wasser auf eine Entfernung von 70 Fuß (= 21 Meter) bei vier Mann Bedienung zu werfen hatte. Als Zubehör werden zwei lederne Saugschläuche und 75 Hanfschläuche auf dem zweirädrigen Wagen genannt, der einen Gesamtwert von 250 Gulden darstellte. Die Maschine wurde für Breitenbrunn am 3. Januar 1873 und für Haselbach am 27. April 1874 geliefert.

Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Haselbach am 1. August 1873. Folgende Gründungsmitglieder sind bekannt:

Hörndl Cajetan, Lehrer
Meiler Jakob, Ökonom
Moser Andreas, Ökonom
Pirzer Baptist, Wagner
Schleicher Philipp, Ökonom
Schmaus Kaspar, Schmied
Sperl Martin, Ökonom
Straßer Philipp, Schuster
Treu Georg, Ökonom
Wirth Michael, Ökonom

Doch ehe die Feuerwehr für den Einsatz ausreichend geschult war, schlug das Schicksal zu. Am 7. August 1873 brach im Bräustadel ein Brand aus, und schließlich wurde das ganze hintere Dorf ein Opfer der Brandkatastrophe. Im riesigen Flammenmeer gingen unter: der hintere Wirtshof (jetzt Fischer), der Wastlhof (jetzt Jugendheim), der Goberlhof (Schindler) mit dem tags zuvor angefahrenen Kammerwagen, der Grauvoglhof und der Bräuhof.
Nur das Brauereigebäude blieb verschont. Nur wenig Vieh konnte gerettet werden. Beim Hinteren Wirt stürzte beim Losketten der Tiere das Stallgewölbe ein. Im Tagebuch des Brauereibesitzers Kaspar Ferstl war zu lesen, daß der Kooperator aus Schwandorf herbeieilte, auf eine Leiter stieg und geweihtes Salz ins Feuer streute. Danach erhob er die Hände zum Gebet und alles betete mit. Der Brand griff nicht weiter um sich. Wenige Tage später brach ein Feuer im Brauereigebäude aus, man löschte mit Bier, weil Wasser nicht herbeigeschafft werden konnte.

Die Ausstattung der Feuerwehr war Angelegenheit der Gemeinde. Für die Errichtung eines „Spritzenhäuschens”, wie man damals das Feuerlöschgerätehaus bezeichnete, stellte das Bezirksamt einen Bauplan mit Kostenvoranschlag des Zimmerermeisters Josef Koller, Burglengenfeld, kostenlos zur Verfügung. Es entstand am alten Schulgebäude als Bretteranbau und diente für die Unterbringung der Feuerwehrrequisiten bis zum Jahre 1897. Das Inventar der FFW Haselbach bestand seit dem Jahre 1887 aus einer Löschmaschine, einer Handdruckspritze, acht Feuereimern, vier Feuerhaken, vier großen Feuerleitern, vier kleinen Feuerleitern und einer Laterne im Gesamtwert von 399 Mark. Im Jahre 1895 wurde dieses Inventar ergänzt. Es kamen hinzu eine weitere Stangenlaterne mit Fahne, 3 Steigerleinen, 2 Karabinerhaken, ein Saugschlauch und 10 Meter Druckschlauch.

Auch in Irlbach, dem damaligen Gemeindeverwaltungssitz der Gemeinde Breitenbrunn (zur Gemeinde gehörten außer Breitenbrunn und Irlbach auch Dauching und Arling) entstand im Jahre 1874 ein Feuerwehr-Requisitenhaus. Am 4. Oktober 1874 begründete die Gemeindeversammlung Breitenbrunn unter der Leitung des Lehrers Cajetan Hörndl die FFW Breitenbrunn mit dem Amtssitz in Irlbach.

Vorstand: Johann Rester, Bauer in Arling
Kommandant: Johann Reindl, Bauerssohn in Irlbach
Kassier: Josef Beer, Wirt zu Breitenbrunn
Requisitenmeister: Georg Westiner, Breitenbrunn

Es wurde betont, daß auf häusliche Requisiten zurückgegriffen werden konnte, da gemäß distriktpolizeilicher Vorschrift über das Feuerlöschwesen jedes Haus einen Feuereimer und einen Löschbesen aufweisen mußte.

Die Erweiterungsbauten am Schulgebäude zwangen zu einer Verlegung des Feuerlöschgerätehauses, das zudem auch feucht und mit der Zeit baufällig geworden war. Nach dem Plan des Schreinermeisters Peter Treu entstand das neue Gerätehaus im Jahre 1897 auf dem Weiderechtlergrund neben dem Dorfweiher. Neben dem Requisitenhaus befand sich eine Leiterremise für die 7 Meter lange Leiter, die der Wagner Pirzer angefertigt hatte. Diese Leiter war für den Ort einmalig. Man wollte sie gerne bei Hausdachreparaturen benutzen. Im Jahre 1899 wurde das Ausleihen für öffentliche oder private Zwecke verboten und auf die ausschließliche Verwendung im Feuerwehrdienst hingewiesen.
Der errichtete Schlauchtrocknungsmast hatte nur kurzen Bestand. Blitzschlag und Sturm bereiteten ihm ein vorzeitiges Ende. Um eine leichtere Orientierung während der Nacht beim Spritzenhaus zu ermöglichen, wurde neben dem Eingang eine Laterne mit Kerze und Feuerzeug für eine Notbeleuchtung eingerichtet.

Im Jahre 1906 lieferte die Firma Christoph Braun, Nürnberg, eine neue Spritze für 891 Mark, ein Vierräder-Gerät mit hoher Druckleistung. Die letzte Rate des vom Ökonomen Anton Grauvogl gegebenen Darlehens für diese Spritze wurde im Jahre 1914 geleistet. Das technische Gerät verlangte eine intensive Schulung der Bedienungsmannschaft. Erste Richtlinien wurden in der Feuerlöschordnung von 1875 verankert. Im Jahre 1882 erschien die distrikt-polizeiliche Feuerlöschordnung, die im Jahre 1905 durch die Feuerwehrordnung abgelöst wurde.

Nach der Grundliste von 1910 war die Feuerwehr damals gegliedert in Vorstand, Hauptmann, Adjutant, Requisitenmeister, Kassier, 15 Spritzenmänner und 16 Ordnungsmänner. Unter Leitung des Feuerwehrhauptmanns wurden seit dem Jahre 1884 regelmäßig Übungen durchgeführt. Sie fanden mit Rücksicht auf die landwirtschaftliche Beschäftigung der Männer hauptsächlich in den Wintermonaten statt.

Den Alarmdienst besorgte der Nachtwächter, den die Gemeinde aufzustellen hatte. Ursprünglich hatten die Herren der Hofmark einen eigenen Nachtwächter, der auch die Tore zu schließen hatte. Er war im „Kobel”, einem acht mal acht Meter großen Bau neben dem alten Schloß untergebracht. Nach der Auflösung der Hofmark hatte die Gemeinde einen Nachtwächter zu bestellen. 1875 schaltete sich sogar das Bezirksamt Burglengenfeld wegen der Besetzung eines solchen Postens ein. Die letzten Nachtwächter hießen: Georg Schmid, Georg Schindler/Birk, Georg Schindler/Kern und Michael Schmid. 1914 wurden dazu im Turnus zwei Hausbesitzer bestellt, die jeden Tag wechselten. Sie waren mit einem „Wachstecken” ausgestattet, der alle Tage weitergegeben wurde.

Zu groß war bei der damaligen Bauweise die Brandgefahr. Nach der Besitzfassion von 1808 waren damals noch 9 Wohnhäuser aus Holz gebaut. Die nach dem Brand von 1873 neu errichteten Wohnhäuser wurden zwar schon massiv errichtet und auch schon mit Dachziegeln gedeckt, die mindestens seit 1840 vorgeschrieben waren. Es gab aber auch noch Holzbauten mit Strohbedachung, besonders bei Scheunen und Nebengebäuden. Zwar wurden 1878 noch Holzbauten für Nebengebäude genehmigt, doch verlangte man schon damals einen Sicherheitsabstand von mindestens neun Metern, andernfalls mußten die Umfassungsmauern gegen die Nachbargebäude aus gemauertem Riegelwerk oder massiv errichtet werden. Seit 1899 wurden einzelne Gebäude mit Blitzableitern versehen.

Im Jahre 1878 wurden durch Brand Stadel und Stallungen des alten Schlosses (jetzt Anwesen Kammerl, Kreuzstr. 11) vernichtet. Auch sechs Pferde kamen dabei um. Es gelang der Feuerwehr, den Brandherd einzugrenzen, wodurch eine Brandkatastrophe verhindert wurde. Für das benachbarte Irlbach wurden im Jahre 1887 Wohnhausbrände gemeldet. Damals brannten der Griesl- und der Hölzl-Hof ab, im Jahre 1888 hatte das Hirtenhaus einen Brandschaden zu erleiden. 1906 läuteten die Kirchenglocken Sturm: das Kunzenhaus Nr. 16 stand in Flammen, diese erfaßten auch das Riesenhaus Nr. 14, ein altes Holzhaus, das die Feuersbrunst von 1754 überstanden hatte, sowie das Nebengebäude vom Grauvogl. Doch mit Hilfe der Nachbarwehren gelang es, ein Übergreifen auf weitere Gebäude zu verhindern.

Einheitliche Uniformen gab es erst im Jahre 1895, als sechs Röcke mit Behang und Aufschlag und sechs Mützen, wahrscheinlich für die Führungsspitze, auf Gemeindekosten angeschafft wurden. Langsam legten sich die anderen Männer selbst Mützen zu, doch im allgemeinen reichte es nicht für komplette Uniformen. So stellte die Feuerwehr bei der Gemeinde den Antrag auf Anschaffung von 25 Feuerwehrröcken und 5 Mützen, was einen Kostenaufwand von 300 Mark verursacht hätte. Genehmigt wurden schließlich 140 Mark, wofür der Schneider Josef Schuster aus Haselbach die Röcke anzufertigen hatte. Diese dürften nicht für alle gereicht haben, denn etliche Aktive ließen sich auf eigene Kosten die Uniformen schneidern. Für den Einsatz waren die Löschmannschaften mit Lederhelmen ausgestattet, Messinghelme trugen Hauptmann, Adjutant, Zugführer, Zeugwart, Pumpenwart, Hornist und Steiger.

Als besonderes Ereignis galt in dieser Zeit die Feuerwehrbesichtigung, die schließlich in einem Vorbeimarsch vor dem Feuerwehrinspektor endete. Deswegen wurde damals das Fußexerzieren so gepflegt, obwohl es nicht beliebt war. In der Dorfgemeinschaft nahm die Feuerwehr eine führende Rolle ein.

Ein Hochfest der Feuerwehr wurde am 23. Juli  1911 begangen, als die Fahnenweihe gefeiert wurde. Mit den einheitlichen Uniformen beeindruckte Haselbach die 40 Feuerwehrabordnungen, die am Fest teilnahmen. Patenverein war die Freiwillige Feuerwehr Schwandorf.

Von diesem Fest ist noch der Festprolog überliefert. Dieser wurde vom Lehrer Peter Hofstetter, der am 29. Juni 1893 im Gradlhaus geboren und dort auch aufgewachsen ist, geschrieben und von seiner Schwester Katharina Merl, geb. am 10. März 1891, vorgetragen. Der Prolog hatte folgenden Wortlaut:

Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen?
So schildert uns des Sängers Mund,  der Gäste Scharen reich und bunt.

Die strömend gleich den Meereswogen, weit über’n See am fernen Strand,
einst zu Poseidons Feste zogen, hin in das Korinther-Land.

Mit solcher Worte selben Zeichen, möcht‘ ich der Gäste Zahl vergleichen,
die heut‘ freudig, herzerhoben, zu diesem Feste hergezogen.

Im Festschmuck alle Häuser prangen, erwartet haben wir die Stund mit Bangen.
Ihr seht! Enthüllet das Panier, das nun des Vereines schönste Zier.

Ihr schützet vor des Feuers Wut, des ruhigen Bürgers Hab und Gut.
Ob auch die Flammen euch umgeben, nicht werdet ihr zurückebeben.

Ihr werdet selbst in Todesnot, den Nächsten retten vor dem Tod.
In dieser Aufgab’ stets vereint, seht ihr kein Opfer, wie gemeint.

Stets handelt ihr der Losung nach, sie hält euch so auch immer wach;
denn Gott zur Ehr’, dem Nächsten zur Wehr!

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